Gutachten der Bauberatung des Oberkirchenrats (März 2010)

 

Bei einer Bauschau im März 2009 wurden Steinschäden an der Henri-Arnaud-Kirche entdeckt. Die landeskirchliche Bauberatung wurde angefordet und hat in einem Gutachten folgende Schäden festgestellt:

 

Westfassade: Gravierende Steinschäden an Sandsteinen. Steinmetzmäßige Überarbeitung der gesamten Fassade ist kurzfristig erforderlich. Zusätzlich Nebenarbeiten an Verwahrungen, Fenstern, Zifferblatt, Blitzschutz.

 

Turm: Gravierende Steinschäden an Sandsteinen, kurzfristige Überarbeitung des gesamten Turmes einschließlich Helm ist mit allen Nebenarbeiten erforderlich. Die Befestigung der Schalläden ist schadensanfällig und soll geändert werden. Die Schalläden selber entsprechen nicht den Richtlinien des dt. Glockenwesens. Im Zuge der Turmsanierung ist auch der Dachanschluss zum Schiff genau zu überprüfen, da es hier bereits mehrfach zu Wassereintritt kam, wie die Schmutzläufer (Trieler) im Innenraum belegen.

Turm innnen:  Es liegen Sicherheitsmängel vor, auf den Bericht der Arbeitssicherheit wird hiermit verwiesen. Eine statische Überprüfung der korrodierten Träger wird empfohlen. Die verrostete Luke muss wieder gangbar gemacht werden, bzw. ist zu erneuern.

 

Längsseiten:   Weniger offensichtliche Steinschäden, Überarbeitung erst mittel- bis längerfristig. Verrostetet Windeisen können bis dahin zurückgestellt werden, da die für die Bearbeitung notwendige Gerüststellung unverhältnismäßig aufwändig wäre. Zu gegebener Zeit wird für die vorhandenen Kunstglasfenster eine Schutzverglasung empfohlen.

 

Innenraum: An der Tragkonstruktion der Empore sind starke Schwundrisse und verdrehte Balkenköpfe zu sehen. Eine Überprüfung der Statik wurde als wegen der Osterfeiertage als dringend erforderlich angesehen und ist zwischenzeitlich erfolgt. Demnach können Verstärkungsmaßnahmen derzeit wohl noch zurückgestellt werden, weitere Beobachtung der Risse um ggf. schnell reagieren zu können ist jedoch erforderlich. Schwundrisse sind auch in den hölzernen Flachreliefs der Brüstungsbilder des Künstlers Helmut Uhrig vorhanden. Hier wird die Beiziehung eines qualifizierten Holzrestaurators zur retuschierenden Überarbeitung empfohlen. Die Schwundrisse dürf-                     ten auf die fehlende Regelung der Heizung zurückzuführen sein. Restaurierungsmaßnahmen können daher erst nach einer Überprüfung des Raumklimas und ggf. Veränderung bzw. Stabilisierung des Raumklimas nachhaltig sein.

                         

Empfehlungen der Bauberatung

Die Absperrung steinschlaggefährdeter Bereiche an der Westfassade musste umgehend empfohlen werden und wurde zwischenzeitlich örtlich vorgenommen. An der Fassade stehen kurzfristige Restaurierungsmaßnahmen durch einen Restaurator im Steinmetzhandwerk an. Ebenso erfolgte zwischenzeitlich wegen Eilbedürftigkeit die statische Überprüfung der Empore, an der Risse festgestellt wurden.

Eine umfassende Außensanierung steht an und soll zeitnah, wenn nicht anders finanzierbar in Bauabschnitte unterteilt, vorgenommen werden. Als 1. Bauabschnitt wird dabei die Fassadensanierung West empfohlen, als 2. Bauabschnitt die Turmsanierung, danach die übrigen Längsfassaden. Als Grundlage der Kostenkalkulation und für die weitere Planung ist eine Steinschadenskartierung erforderlich. Erst dadurch können die Schäden genauer erkannt und ihre Sanierung geplant werden. Gerade bei Sandsteinarbeiten gibt es Schadensbilder, die erst nach Untersuchung der Fassade (von Gerüst oder Steiger aus) erkannt werden können.